Wer an das Schahname denkt, denkt zunächst kaum an Essen.
Man denkt an Könige und Helden, an Schlachten und große Entscheidungen, an Rostam und Sohrab, an Liebe und Verrat, an Aufstieg und Untergang. Pferde galoppieren durch die Geschichten, Heere ziehen gegeneinander und ganze Dynastien entstehen und verschwinden.
Und doch wird in dieser gewaltigen Welt auch gegessen.
Könige empfangen Gäste mit Festmahlen. Helden stärken sich auf ihren Reisen. Bei Hofe wird Wein ausgeschenkt, Musik gespielt und gemeinsam gefeiert. Ein großzügig gedeckter Tisch kann zeigen, welchen Rang ein Gast besitzt. Eine Einladung kann Respekt ausdrücken – und ihr Ausbleiben eine Kränkung.
Manchmal wird eine Mahlzeit sogar zum entscheidenden Teil einer Geschichte.
Das ist besonders interessant, weil Essen im Schahname nur selten um seiner selbst willen beschrieben wird. Ferdowsi möchte uns keine Rezepte hinterlassen. Wenn Speisen, Wein oder ein Festmahl ausführlicher erscheinen, erfüllen sie häufig eine erzählerische Funktion.
Sie erzählen etwas über die Menschen am Tisch.
Über ihre Macht und ihre Großzügigkeit. Über Kraft, Vertrauen und Ehre. Manchmal auch über Verführung, Hochmut und den Verlust von Macht.
So betrachtet öffnet das Essen eine unerwartete Tür in eine der bedeutendsten Erzählwelten der persischen Kultur.
Das Schahname – شاهنامه, das „Buch der Könige“, gehört zu den bedeutendsten Werken der persischen Literatur.
Der Dichter Abu'l-Qasem Ferdowsi vollendete sein monumentales Werk zu Beginn des 11. Jahrhunderts nach jahrzehntelanger Arbeit. In rund 50.000 Doppelversen erzählt er die Geschichte Irans von der mythischen Entstehung der Welt bis zum Ende der sassanidischen Herrschaft und der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert.
Dabei begegnen uns mythische Herrscher ebenso wie legendäre Helden und Personen, die einen historischen Hintergrund besitzen.
Für die persische Kultur ist das Schahname deshalb weit mehr als eine Sammlung alter Geschichten. Über Jahrhunderte wurde es gelesen, vorgelesen, weitererzählt, illustriert und interpretiert. Figuren wie Rostam, Sohrab, Siyavash oder Zahhak gehören bis heute zum kulturellen Gedächtnis vieler Perser.
Gerade deshalb müssen wir bei unserem Blick auf das Essen eine wichtige Grenze ziehen:
Das Schahname ist kein historisches Kochbuch.
Wenn Ferdowsi ein Festmahl beschreibt, können wir daraus nicht ohne Weiteres ableiten, dass die Menschen im achämenidischen oder sassanidischen Persien genau auf diese Weise gegessen haben. Zwischen Mythos, literarischer Gestaltung, älteren Überlieferungen und Ferdowsis eigener Zeit liegen unterschiedliche historische Schichten.
Doch gerade darin liegt ein anderer Wert.
Das Schahname zeigt uns, wie Herrschaft, Gastfreundschaft, Großzügigkeit, Genuss und Nahrung innerhalb einer großen persischen Erzähltradition gedacht und dargestellt wurden.
Und eine der bemerkenswertesten Geschichten beginnt tatsächlich in einer Küche.
Die Geschichte von Zahhak – ضحاک gehört zu den düstersten Erzählungen des Schahname.
Und ausgerechnet Essen spielt an einer entscheidenden Stelle eine ungewöhnlich große Rolle.
Ahriman, die Verkörperung des Bösen in dieser Erzählung, sucht einen Weg, sich Zahhak zu nähern. Er erscheint nicht als Krieger und bedroht ihn nicht mit einer Waffe.
Er kommt als Koch.
Er bietet an, für Zahhak zu kochen, und beginnt, ihn mit immer raffinierteren Speisen zu beeindrucken.
Die Abfolge ist bemerkenswert. Zunächst werden vergleichsweise einfache Speisen gereicht. Danach folgen Geflügel und Fleischgerichte. Rebhuhn und Fasan erscheinen ebenso wie Lamm und Kalbfleisch. Gewürze und kostbare Aromen steigern den Genuss; in der Erzählung begegnen uns sogar Safran und Rosenwasser.
Mit jedem Mahl wächst Zahhaks Begeisterung für seinen außergewöhnlichen Koch.
Essen wird hier Schritt für Schritt zur Verführung.
Nicht Hunger treibt Zahhak an. Es ist der Genuss des immer Besondereren.
Schließlich ist er von der Kunst des Kochs so beeindruckt, dass er ihm einen Wunsch gewährt.
Der vermeintliche Koch bittet um etwas scheinbar Harmloses: Er möchte Zahhak auf die Schultern küssen.
Zahhak erlaubt es.
Nach dem Kuss verschwindet Ahriman – und aus Zahhaks Schultern wachsen jene beiden Schlangen, die zu einem der bekanntesten Bilder der gesamten persischen Mythologie werden.
Plötzlich erhält das zuvor so luxuriöse Essen eine völlig andere Bedeutung.
Was wie Gastlichkeit und Genuss begann, war Teil einer Verführung.
Gerade deshalb ist die Szene für unser Thema so außergewöhnlich. Ferdowsi hätte den Zugang zu Zahhak auf viele Arten erzählen können. Doch der Weg zu ihm führt über Geschmack, Begehren und Vertrauen.
Das Essen verändert sich dabei selbst. Es wird raffinierter, kostbarer und fleischreicher. Der Genuss steigert sich – und mit ihm Zahhaks Verlangen.
Die Tafel ist hier kein Symbol für Gemeinschaft.
Sie wird zum Ort der Verführung und des moralischen Abstiegs.
Und ausgerechnet Safran und Rosenwasser, zwei Aromen, die wir heute unmittelbar mit der feinen persischen Küche verbinden können, erscheinen in einer Geschichte, in der Genuss eine ausgesprochen dunkle Wendung nimmt.
Doch Essen kann im Schahname genau das Gegenteil bedeuten.
Bei einem anderen der berühmtesten Helden Persiens erzählt es nicht von Verführung, sondern von geradezu übermenschlicher Kraft.
Rostam – رستم ist kein Held, der nur durch Worte beeindruckt.
Alles an ihm ist groß.
Seine Kraft, seine Abenteuer, seine Kämpfe – und selbst sein Verhältnis zum Essen trägt dazu bei, seine außergewöhnliche Körperlichkeit sichtbar zu machen.
Auf seinen Reisen jagt Rostam Wild. Er erlegt einen Wildesel, entzündet ein Feuer, brät das Fleisch und isst.
Was zunächst wie eine einfache Mahlzeit wirkt, passt vollkommen zu seiner Figur.
Rostam benötigt keine königliche Tafel und keinen Hofstaat. Er jagt, bereitet seine Nahrung selbst zu und zieht weiter.
Besonders eindrucksvoll wird dieses Motiv in der Geschichte um Bahman.
Während Rostam mit seiner Mahlzeit beschäftigt ist, versucht Bahman, einen gewaltigen Felsbrocken auf ihn hinabrollen zu lassen.
Rostam bemerkt die Gefahr.
Doch anstatt erschrocken aufzuspringen, wehrt er den Felsen mit beinahe unglaublicher Selbstverständlichkeit ab – und setzt seine Mahlzeit fort.
Diese Szene wurde später auch in berühmten Schahname-Handschriften bildlich dargestellt.
Essen wird hier Teil der Inszenierung des Helden.
Ein gewöhnlicher Mensch müsste zwischen Überleben und Mahlzeit wählen. Rostam scheint beides gleichzeitig bewältigen zu können.
Sein Appetit gehört zu seiner Körperlichkeit, genauso wie seine Fähigkeit zu kämpfen.
Und damit zeigt sich bereits, wie unterschiedlich Ferdowsi Essen einsetzen kann.
Bei Zahhak verführt der Genuss einen Herrscher.
Bei Rostam unterstreicht die Nahrung die Kraft und Unabhängigkeit eines Helden.
Doch sobald wir den einsamen Helden verlassen und an den Hof zurückkehren, bekommt Essen wieder eine andere Bedeutung.
Für die höfische Welt des Schahname ist ein Begriff besonders wichtig:
بزم – bazm.
Bazm lässt sich nicht einfach mit „Essen“ übersetzen. Gemeint ist vielmehr das Fest, die gesellige Zusammenkunft, das Bankett – eine Welt aus gemeinsamer Tafel, Wein, Musik, Gesprächen und Unterhaltung.
Der Gegensatz dazu ist häufig رزم – razm, der Kampf.
Bazm und Razm – Fest und Kampf.
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich ein großer Teil der Welt der Könige und Helden.
Nach einem Sieg kann gefeiert werden. Ein Gast wird mit einem Fest empfangen. Ein König zeigt durch die Größe seiner Tafel Wohlstand und Großzügigkeit. Menschen trinken gemeinsam Wein, hören Musik und verbringen Zeit miteinander.
Ein königliches Festmahl ist deshalb nie nur eine Gelegenheit, satt zu werden.
Es ist auch eine öffentliche Darstellung von Ordnung und Rang.
Wer sitzt in der Nähe des Königs?
Wer wird eingeladen?
Wie wird ein Gast empfangen?
Wie großzügig ist der Gastgeber?
In einer höfischen Gesellschaft können solche Fragen ebenso viel Bedeutung besitzen wie das eigentliche Essen.
Die Tafel wird zu einem sozialen Raum.
Und besonders deutlich wird das in der Geschichte von Siyavash.
Siyavash gehört zu den tragischsten Figuren des Schahname.
Als der iranische Prinz an den Hof des turanischen Königs Afrasiab gelangt, befindet er sich in einer politisch schwierigen Lage. Umso wichtiger ist die Art, wie er empfangen wird.
Afrasiab lässt ihn nicht einfach eintreten.
Er empfängt ihn mit den Zeichen königlicher Gastfreundschaft.
Es wird gegessen und getrunken, Musik erklingt, die Großen des Hofes versammeln sich. Später werden Feste veranstaltet, bei denen Großzügigkeit sichtbar demonstriert wird.
Hier bekommt das gemeinsame Essen eine politische Bedeutung.
Wer einen Menschen an seine Tafel bittet, erkennt ihn an.
Der Gastgeber zeigt: Du bist willkommen. Du stehst unter meinem Schutz. Du besitzt einen Platz innerhalb dieser Ordnung.
Damit begegnet uns im Schahname etwas, das wir aus persischen Redewendungen bereits kennen.
Das gemeinsame Brot und Salz schafft eine Beziehung.
In einer Redewendung ist dieser Gedanke auf wenige Worte verdichtet. In der Geschichte von Siyavash wird er zu einer großen erzählerischen Szene.
Und gerade weil wir wissen, dass die Geschichte von Siyavash tragisch enden wird, erhält diese anfängliche Gastfreundschaft im Rückblick eine zusätzliche Bedeutung.
Ein gedeckter Tisch kann Nähe schaffen.
Er garantiert jedoch nicht, dass diese Nähe für immer bestehen bleibt.
Noch deutlicher wird diese Spannung in der Geschichte von Rostam und Esfandiyar.
Beide gehören zu den großen Figuren des Schahname.
Beide wissen um ihre Stellung.
Und beide wissen, dass zwischen ihnen ein Konflikt entsteht, der kaum friedlich enden kann.
Trotzdem gelten Regeln.
Rostam lässt Vorbereitungen für einen angemessenen Empfang treffen. Essen soll bereitstehen. Gastfreundschaft und Respekt dürfen nicht einfach verschwinden, nur weil politische Forderungen und persönliche Ehre die Männer gegeneinanderstellen.
Doch gerade die Einladung zum Essen wird selbst Teil dieses komplizierten Spiels.
Wer wen einlädt, wer erscheint, wer wo sitzt und wie man miteinander spricht, ist nicht nebensächlich.
Gastfreundschaft besitzt eine Sprache.
Und ebenso besitzt ihre Verweigerung eine Sprache.
In den Begegnungen zwischen Rostam und Esfandiyar wird gegessen und Wein getrunken, während zugleich über Rang, Ehre und Forderungen gestritten wird.
Das macht diese Szenen ungewöhnlich menschlich.
Denn die beiden Männer sitzen nicht einfach als Feinde gegenüber.
Sie kennen die Größe des anderen.
Sie respektieren einander auf bestimmte Weise.
Und trotzdem bewegen sie sich unausweichlich auf einen Kampf zu.
Der gedeckte Tisch schafft für einen Moment einen Raum zwischen Frieden und Krieg.
Vielleicht zeigt sich gerade hier besonders deutlich, was bazm und razm bedeuten können.
Heute sitzen zwei Männer noch gemeinsam bei Speise und Wein.
Bald werden sie sich mit Waffen gegenüberstehen.
Das Essen verhindert den Konflikt nicht.
Aber es erinnert daran, dass selbst zwischen Gegnern Regeln von Ehre, Respekt und Gastfreundschaft bestehen können.
Königliche Tafeln erzählen von Macht.
Doch manchmal kann gerade eine sehr einfache Mahlzeit zeigen, dass diese Macht verloren gegangen ist.
Eine solche Szene begegnet uns in der Geschichte des sassanidischen Königs Khosrow Parviz.
Der Herrscher, der einst mit einem der prächtigsten Höfe Persiens verbunden war, befindet sich auf der Flucht.
Die Welt des Palastes liegt hinter ihm.
Schließlich gelangt er zu einem christlichen Geistlichen und fragt nach Essen.
Was ihm angeboten werden kann, ist denkbar schlicht:
Brot und Kräuter.
Und der König isst.
Gerade weil das Schahname zuvor immer wieder die Welt königlicher Feste, des Weins und der großzügigen Tafeln kennt, wirkt eine solche Szene stark.
Das Essen selbst ist nicht armselig.
Brot und Kräuter können eine vollkommen gute Mahlzeit sein.
Doch für die Erzählung zählt der Kontrast.
Der Mann hat sich verändert – oder vielmehr seine Stellung in der Welt hat sich verändert.
Derjenige, der einst über einen mächtigen Hof verfügte, muss nun annehmen, was ein anderer ihm anbieten kann.
Ein König kann Titel besitzen.
Er kann Reichtümer anhäufen und an gewaltigen Tafeln sitzen.
Doch wenn seine Macht zerbricht, bleibt am Ende vielleicht ein Stück Brot.
Essen erzählt hier von etwas, das im Schahname immer wiederkehrt:
der Vergänglichkeit von Herrschaft.
Wer über Essen und Fest im Schahname spricht, kann den Wein nicht auslassen.
Wein erscheint in zahlreichen Fest- und Empfangsszenen und gehört zur Welt des bazm. Er begleitet Musik, Gespräche, Siege und höfische Zusammenkünfte.
Für einen heutigen Leser ist dabei wichtig, das Werk zunächst aus seinem eigenen kulturellen und literarischen Zusammenhang heraus zu betrachten.
Ferdowsis Erzählwelt reicht weit in die vorislamische Geschichte und Mythologie Irans zurück, während das Schahname selbst in islamischer Zeit entstand. Wein besitzt in der persischen Literatur darüber hinaus eine komplexe Geschichte und kann je nach Werk und Epoche ganz unterschiedliche reale, poetische oder symbolische Bedeutungen annehmen.
Im Schahname begegnet er häufig ganz konkret als Bestandteil höfischer Festlichkeit.
Der Becher, die Musik und das gemeinsame Mahl gehören zusammen.
Doch auch hier ist Maß nicht bedeutungslos. Festlichkeit und Genuss können Ausdruck eines geordneten, guten Lebens sein – während Kontrollverlust und Maßlosigkeit eine andere Seite des Menschen zeigen.
So wird auch der Wein Teil jener größeren Frage, die das gesamte Werk begleitet:
Wie soll ein Mensch mit Macht, Genuss und Freiheit umgehen?
Nach all diesen Szenen drängt sich eine Frage geradezu auf:
Können wir anhand des Schahname rekonstruieren, was Menschen im alten Persien tatsächlich gegessen haben?
Nur sehr eingeschränkt.
Das wäre eine Erwartung, die das Werk nicht erfüllen kann und auch nie erfüllen sollte.
Zwischen den ältesten mythischen Geschichten des Schahname und Ferdowsis eigener Lebenszeit liegen Jahrhunderte, teilweise Jahrtausende. Das Werk verarbeitet unterschiedliche Überlieferungen und gestaltet sie literarisch neu.
Wenn dort Safran, Rosenwasser, Fleisch, Brot, Kräuter oder Wein erscheinen, sind diese Hinweise kulturgeschichtlich interessant.
Sie sind aber keine Speisekarte eines bestimmten persischen Hofes.
Wer wissen möchte, wie Menschen in bestimmten Epochen Persiens tatsächlich gegessen haben, muss zusätzlich archäologische Funde, historische Texte, Verwaltungsdokumente und andere Quellen betrachten.
Für unsere Frage ist jedoch etwas anderes mindestens ebenso spannend.
Nicht nur:
Was wurde gegessen?
Sondern:
Warum erzählt Ferdowsi gerade in diesem Moment vom Essen?
Und darauf gibt das Schahname erstaunlich viele Antworten.
Bei Zahhak wird Essen zur Verführung.
Bei Rostam zeigt es Kraft und Selbstständigkeit.
Bei Siyavash wird die gemeinsame Tafel zum Zeichen von Anerkennung und Gastfreundschaft.
Zwischen Rostam und Esfandiyar erzählt sie von Ehre, Rang und einem Frieden, der bereits zerbrechlich geworden ist.
Beim geflohenen Khosrow Parviz wird eine einfache Mahlzeit zum Bild für die Vergänglichkeit der Macht.
Und im bazm verbinden sich Essen, Wein, Musik und Gesellschaft zu einem Ausdruck von Festlichkeit, Ordnung und königlicher Großzügigkeit.
Das eigentlich Faszinierende daran ist deshalb nicht, welche Speisen auf dem Tisch stehen.
Es sind die Menschen, die darum sitzen.
Der großzügige König zeigt durch seine Tafel, wer er sein möchte.
Der Gast erkennt daran, wie er angesehen wird.
Der Held zeigt durch seinen Appetit seine Kraft.
Der Verführer nutzt Genuss, um Vertrauen zu gewinnen.
Und der gestürzte Herrscher erkennt an einer einfachen Mahlzeit, wie weit sein früheres Leben entfernt ist.
Das Essen spricht.
Nur diesmal nicht in Sprichwörtern, sondern in Geschichten.
Das Schahname erzählt von einer Welt, in der kaum etwas von Dauer ist.
Könige steigen auf und verlieren ihre Macht. Helden gewinnen große Schlachten und können ihrem eigenen Schicksal dennoch nicht entkommen. Freundschaften entstehen, Bündnisse zerbrechen und selbst die mächtigsten Herrscher müssen irgendwann ihren Platz räumen.
Zwischen all diesen großen Ereignissen stehen immer wieder erstaunlich vertraute Momente.
Menschen setzen sich zusammen.
Sie bieten einem Gast etwas zu essen an.
Sie trinken miteinander.
Sie feiern.
Oder sie sitzen einem Menschen gegenüber, von dem sie wissen, dass er morgen vielleicht ihr Gegner sein wird.
Vielleicht wirken gerade diese Szenen deshalb über Jahrhunderte hinweg so menschlich.
Denn ein königliches Festmahl mag prächtiger sein als unser eigener Esstisch. Die Fragen dahinter kennen wir bis heute:
Wen laden wir ein? Mit wem teilen wir unser Essen? Wem vertrauen wir? Wie behandeln wir einen Gast? Und was sagt unsere Großzügigkeit über uns selbst aus?
Im Schahname entscheidet sich das Schicksal Persiens auf Schlachtfeldern, in Königspalästen und durch die Entscheidungen großer Helden.
Doch manchmal genügt Ferdowsi ein gedeckter Tisch, um zu zeigen, wer ein Mensch wirklich ist.